Arbeitsmedizin | Betriebliches Gesundheitsmanagement

Die Arbeitsmedizin beschäftigt sich mit der Prävention – insbesondere von Berufskrankheiten und Arbeitsunfällen. Bestandteil der Aufgaben des Arbeitsmediziners sind die Gestaltung der Arbeitsplätze oder Begleitung des betrieblichen Eingliederungsmanagements. Der Arbeitsmediziner beschäftigt sich dabei sowohl mit dem Einzelnen als auch mit der gesamten Organisation und deren Abläufe.

Arbeitsmedizin

Die Arbeitsmedizin hat vielfältige Aufgabenfelder

Inhaltsübersicht

  1. Arbeitsschutzgesetz
  2. Tätigkeiten eines Arbeitsmediziners
  3. Arbeitsmedizin Ausbildung
  4. ISO 45001 | Sicherheits- und Gesundheitsschutz
  5. Arbeitsmedizin Zusammenfassung

Im Gegensatz zu den anderen Medizinbereichen beschäftigt sich die Arbeitsmedizin Großteils mit dem gesunden Menschen. Im Betrieb arbeitet der Arbeitsmediziner eng mit den Sicherheitsfachkräften zusammen.

Aufgaben der Arbeitsmedizin:

  • Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
  • Betriebliche Wiedereingliederung
  • Arbeitsplatzanalyse und Gefährdungsbeurteilung
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
  • Bewertung von verschiedenen Umgebungsfaktoren (wie Lärm, Staub, Beleuchtung, Gefahrenstoffe)

Arbeitsschutzgesetz

Das Arbeitsschutzgesetz dient dazu „Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten bei der Arbeit durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu sichern und zu verbessern“. Maßnahmen laut dem Arbeitsschutzgesetz sollen Unfälle verhüten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren ausschließen.

Aus Sicht der Arbeitsmedizin ist vor allem § 11 interessant: „Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten auf ihren Wunsch unbeschadet der Pflichten aus anderen Rechtsvorschriften zu ermöglichen, sich je nach den Gefahren für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit regelmäßig arbeitsmedizinisch untersuchen zu lassen, es sei denn, auf Grund der Beurteilung der Arbeitsbedingungen und der getroffenen Schutzmaßnahmen ist nicht mit einem Gesundheitsschaden zu rechnen.“ Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer also die Möglichkeit zu einer regelmäßigen Untersuchung einräumen, außer wenn mit keinem Gesundheitsschaden gerechnet werden kann.

Gesamter Gesetzestext: http://www.gesetze-im-internet.de/arbschg/BJNR124610996.html

Tätigkeiten eines Arbeitsmediziners

Nun konzentrieren wir uns auf zwei wichtige Tätigkeiten des Arbeitsmediziners: die arbeitsmedizinische Untersuchung und die Gefährdungsbeurteilung.

Arbeitsmedizinische Untersuchung

Die arbeitsmedizinische Untersuchung hilft, arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren frühzeitig zu erkennen. Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen dürfen dabei nur von Arbeits- oder Betriebsmediziner durchgeführt werden. In bestimmten Branchen gibt es auch spezielle Vorsorgeuntersuchungen, auf die wir später noch eingehen werden. Unterschieden wird in der Arbeitsmedizin zwischen drei Untersuchungen: Der Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge.

Pflichtvorsorge

Die Untersuchungen sind also freiwillig oder verpflichtend – je nach Gefahrenquellen und Belastungen. Die Gefährdungsbeurteilung ist dabei die Basis, welche Untersuchungen angeboten werden.

Arbeitsmedizinische Untersuchung

Bei der arbeitsmedizinischen Untersuchung gibt es drei verschiedene Untersuchungsarten

Die Pflichtvorsorge muss angeordnet werden. Das wäre zum Beispiel bei speziellen Gefahrenstoffen (Benzol, Quecksilber, Kohlenmonoxid,…) oder bestimmten Tätigkeiten (z.B. regelmäßige Feuchtarbeit von mehr als 4 Stunden pro Tag, schweißen bei der Überschreitung bestimmter Werte, Tätigkeiten in Kläranlagen oder mit extremer Hitze-/Kältebelastung, Arbeiten im Rettungs- und Sanitätsdienst, wenn man in Kontakt mit Körperflüssigkeiten kommt und eine erhöhte Hepatitisgefahr besteht,…) der Fall.

Die Pflichtvorsorge muss vor Aufnahme der Tätigkeit und anschließend in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden. Welche Tätigkeiten und Gefahrenstoffe es noch betrifft findet man in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge übersichtlich aufgelistet.

Angebotsvorsorge

Neben der Pflichtvorsorge gibt es auch noch die Angebots- und Wunschvorsorge. Der Arbeitgeber muss dabei in regelmäßigen Abständen bzw. vor der Aufnahme der Tätigkeit den Mitarbeitern Untersuchungen anbieten.

In der arbeitsmedizinischen Verordnung ist zur Angebotsvorsorge folgendes geregelt: „Erhält der Arbeitgeber Kenntnis von einer Erkrankung, die im ursächlichen Zusammenhang mit der Tätigkeit des oder der Beschäftigten stehen kann, so hat er ihm oder ihr unverzüglich Angebotsvorsorge anzubieten. Dies gilt auch für Beschäftigte mit vergleichbaren Tätigkeiten, wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie ebenfalls gefährdet sein können.“ Also muss der Arbeitgeber auf Gesundheitsgefahren unmittelbar reagieren und den Beschäftigten die Möglichkeit geben, sich untersuchen zu lassen.

Der Arbeitgeber setzt die Mitarbeiter über einen Aushang über die Angebotsvorsorge in Kenntnis.

Wunschvorsorge

Neben dem Aushang der Angebotsvorsorge hinaus, muss der Arbeitgeber den Mitarbeitern auf ihren Wunsch hin regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorge ermöglichen. Außer der Arbeitgeber kann aufgrund der Beurteilung der Arbeitsbedingungen und der gesetzten Schutzmaßnahmen davon ausgehen, dass mit keinem gesundheitlichen Schaden zu rechnen ist.

Überblick über arbeitsmedizinische Untersuchungsarten:

  • Pflichtvorsorge: Muss bei besonders gefährdenden Tätigkeiten veranlasst werden
  • Angebotsvorsorge: Muss bei bestimmten gefährdenden Tätigkeiten angeboten werden
  • Wunschvorsorge: Muss bei Tätigkeiten, wo der Gesundheitsschaden nicht ausgeschlossen werden kann, ermöglicht werden

Bei der arbeitsmedizinischen Vorsorge gilt dabei die ärztliche Schweigepflicht und der Arbeitsmediziner darf dem Arbeitgeber keine Details zu Krankheiten nennen. Bricht er seine Schweigepflicht, macht er sich strafbar. Der Arbeitsmediziner darf dem Arbeitgeber bei beispielsweise einer betrieblichen Wiedereingliederung nur Angaben dazu machen, ob ein bestimmter Arbeitsplatz in Frage kommt, nicht aber warum.

Ablauf der arbeitsmedizinischen Untersuchungen

Hier findest du einen kurzen Überblick, wie die arbeitsmedizinischen Untersuchungen ablaufen und was mit den Ergebnissen passiert:

  1. Ergebnisse schriftlich festhalten
  2. Den Arbeitnehmer darüber beraten
  3. Dem Beschäftigten wenn gewünscht, das Ergebnis zur Verfügung zu stellen
  4. Dem Arbeitgeber Vorsorgebescheinigung ausstellen, dass zu welchem Zeitpunkt und aus welchem Grund ein arbeitsmedizinischer Vorsorgetermin stattgefunden hat. Außerdem enthält die Vorsorgebescheinigung Angaben über den nächsten Vorsorgetermin
  5. Ergeben sich Anhaltspunkte, dass die Schutzmaßnahmen für die Beschäftigen nicht ausreichen, hat der Arbeitsmediziner Arbeitsschutzmaßnahmen vorzuschlagen

Die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) regelt die gesetzlichen Vorgaben (https://www.gesetze-im-internet.de/arbmedvv/). Darin sind Dinge, wie das die Untersuchung während der Arbeitszeit stattfinden sollten, geregelt.

Arbeitsmedizinische Untersuchungen Liste (G Untersuchungen)

Wie angesprochen, gibt es für unterschiedliche Tätigkeiten spezielle arbeitsmedizinische Untersuchungen. Die Grundsätze der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) bieten dabei einen guten Überblick über die verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen.

Diese Grundsätze der DGUV sind auch über die Deutschen Grenzen für Arbeitsmediziner eine gute Basis für eine qualitätsvolle und einheitliche Vorgehensweise bei arbeitsmedizinischen Untersuchungen. Die G-Untersuchungen sind keine verbindliche Rechtsvorschrift, im Alltag lehnt man sich aber oft an sie an. Die wichtigsten bzw. am häufigsten angewendeten sind folgende:

  • G20 Untersuchung: Lärm (Hörtest) | mehr als 30 Minuten täglich im Lärmbereich
  • G23 Untersuchung: obstruktive Atemwegserkrankungen (Lungenfunktion, ggf. Röntgen Lunge) | Mitarbeiter, die am Arbeitsplatz Gefahrenstoffen ausgesetzt sind, die zu Atemwegserkrankungen führen können
  • G24 Untersuchung: Hauterkrankungen mit Ausnahme von Hautkrebs (Hautkrebs = G4) | vor allem Personen, die Feuchte ausgesetzt sind oder über eine längere Zeit Handschuhe tragen müssen und sie mit sensibilisierenden (= Stoff erzeugt Überempfindlichkeit über die Haut oder Atemwege) oder reizenden Gefahrstoffen in Kontakt kommen
  • G25 Untersuchung: Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten (Urintest, Hörtest, Sehtest, ggf. Perimetrie) | Grundsatzuntersuchung für alle Fahr-, aber auch Steuer- und Überwachungstätigkeiten
  • G29 Untersuchung: Benzolhomologe (Toluol, Xylol) | Lösemittelbelastungen (Blutentnahme, Urintest, Ärztliche Untersuchung)
  • G37 Untersuchung: Bildschirmarbeit (Seharbeit)
  • G38 Untersuchung: Nickelstäube (Blutentnahme, ggf. Biomonitoring, Lungenfunktion, Röntgen Lunge und Nasennebenhöhlen)
  • G39 Untersuchung: Schweißrauche (Lungenfunktion, Röntgen Lunge, ggf. Biomonitoring) | beim Umgang mit krebserzeugenden Stoffen
  • G41 Untersuchung: Absturzgefahren (EKG oder Belastungs-EKG, Hörtest, Sehtest, Perimetrie) | Arbeiten in größeren Höhen, wo Mitarbeiter nicht immer gesichert sind
  • G42 Untersuchung: Infektionsgefahren (Blutentnahme)

Alle Untersuchungen finden am Beginn der Tätigkeit und dann im Intervall von 3 Jahren (Nachuntersuchung) statt.

Die Fachliteratur für all jene, die sich gerne noch weiter mit den Grundsätzen beschäftigen wollen, gibt es bei Amazon als E-Book: https://amzn.to/2P4uXSo (das umfangreiche Werk gibt einen breiten Blickwinkel und viele wichtige Details wieder).

Gefährdungsbeurteilung

Der Arbeitsmediziner macht mit der Sicherheitsfachkraft bei der Gefährdungsbeurteilung eine Analyse über mögliche Gefahren im Betrieb, beurteilt diese und erarbeitet Schutzmaßnahmen zur Beseitigung bzw. zur Minimierung der Risiken.

Gefährdungsbeurteilung

Im betrieblichen Gesundheitsmanagement ist die Gefährdungsbeurteilung für die Gesundheit der Mitarbeiter eine wichtige Aufgabe

Vor Beginn der Tätigkeit und bei Veränderungen müssen Arbeitnehmer zu den Gefahren und Maßnahmen zur Abwendung dieser geschult werden. Die Unterweisung muss mindestens einmal jährlich stattfinden.

Direkte Gefährdungsanalyse:

Diese findet in der Planungsphase von Arbeitsplätzen, bei deren Besichtigung und bei der Analyse der Arbeitsabläufe statt. Die direkte Gefährdungsanalyse findet vorrauschauend bzw. präventiv statt.

Indirekte Gefährdungsanalyse:

Hier gewinnt man durch die Analyse von Unfällen und Beinaheunfälle seine Erkenntnisse. Beide Varianten ergänzen sich. Diese Methode dient dazu, die bestehende Gefährdungsbeurteilung zu aktualisieren und entsprechend anzupassen. Die indirekte Methode bezieht alle direkt beteiligten Personen ein, um die Unfallursachen herauszufinden und entsprechende Schutzmaßnahmen zu erarbeiten.

Ablauf der Gefährdungsbeurteilung:

  1. Gefahren erkennen
    Hier geht es zunächst darum, welche Gefahren es für die Mitarbeiter durch die Arbeitsstätte, Tätigkeiten, Verfahren und Arbeitsmittel gibt.
  2. Gefahren beurteilen
    In diesem Schritt beurteilt der Arbeitsmediziner und die Sicherheitsfachkraft die tatsächlich ausgehende Gefahr von den unterschiedlichen Gefahrenquellen. Dabei greift man auf der einen Seite auf gesetzliche Mindeststandards (z.B. Arbeitsplatzgrenzwert bei bestimmten Gefahrenstoffen), Verordnungen mit dessen vorgegebenen Schutzstufenkonzept (z.B. auf die Biostoffverordnung mit Maßnahmen in den Bereichen Ersatzlösungen, Technik, Organisation, Schutzausrüstung) oder man muss das verbleibende Risiko selbst einschätzen.
  3. Festlegen konkreter Schutzmaßnahmen
    Dabei geht man nach dem S-T-O-P-Prinzip vor, das die Ergreifung der Maßnahmen in folgender Reihenfolge beschreibt: Ersatz, technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen. Im Idealfall kann man gefährliche Stoffe ersetzen. Sollte das nicht möglich sein, sind technische Maßnahmen ebenfalls sehr wirksam und können Gesundheitsgefahren vermeiden (z.B. durch geschlossene Systeme). Organisatorische Maßnahmen sind die Herabsetzung der Intensität oder der Dauer und personenbezogene Maßnahmen wären die arbeitsmedizinische Vorsorge, regelmäßige Unterweisungen und die passende Schutzausrüstung.
  4. Durchführen der Maßnahmen
    Bei der Durchführung geht es um die Bestimmung der Prioritäten, den Zuständigkeiten und den Terminen bis wann die Maßnahmen implementiert sein sollten.
  5. Überprüfung der Durchführung und Wirksamkeit
    Der letzte Schritt sorgt dafür, dass die Maßnahmen wirklich umgesetzt wurden und überprüft mittels Nachmessungen, ob sich der Zustand verbessert hat bzw. ob noch weitere Schutzmaßnahmen nötig sind.

Mit diesem Zyklus bekommt jeder Betrieb ein individuell angepasstes Konzept für die Schutzmaßnahmen.

Um bei der Analyse mögliche Gefahrenquellen zu finden, stellen sich die Beteiligten unter anderem folgende Fragen:

  • Sind die Beschäftigten für die Arbeit qualifiziert genug?
  • Besteht Zeitdruck?
  • Gibt es einseitige Arbeiten?
  • Herrscht eine körperliche Überanstrengung bei den Tätigkeiten?
  • Sind die Aufgaben eintönig?
  • Gibt es am Arbeitsplatz gefährliche Stoffe?
  • Besteht eine erhöhte Brandgefahr?
  • Gibt es Sturzgefahr?
  • Ist es in der Betriebsstätte übermäßig laut, gibt es Temperaturextreme (Hitze, Kälte) oder herrscht eine schlechte Beleuchtung?
  • Geht von bestimmten Maschinen eine Gefahr aus?
  • Wie sind die Abläufe im Unternehmen gestaltet?
  • Wie ist die Ergonomie der Arbeitsplätze?

Das sind ein paar von vielen Fragen, anhand deren das Arbeitssicherheitsteam das Unternehmen analysiert und die Gefahren beurteilt. Die Gefährdungsbeurteilung ist vor Beginn der Tätigkeit durchzuführen und wenn sich Dinge, wie die Tätigkeiten, Arbeitsverfahren oder Schutzmaßnahmen ändern oder es neue Erkenntnisse in der Arbeitsmedizin oder zu bestimmten Stoffen gibt.

Die Gefährdungsbeurteilung ist dabei genau zu dokumentieren, damit zum Beispiel die Aufsichtsbehörde die gesetzten Schutzmaßnahmen genau nachvollziehen kann. Bei der Arbeit mit krebserregenden Stoffen müssen die Dokumente 40 Jahre aufbewahrt werden.

In vielen Branchen und bei bestimmten Produkten bzw. Stoffen gibt es bereits Hilfestellungen, die von Fachgremien erarbeitet wurden.

Wenn dich weitere Details über das Verfahren der Gefährdungsbeurteilung und dessen genaue Vorgehensweise interessieren, findest du bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin detaillierte Informationen.

Arbeitsmedizin Ausbildung

Nun stellt sich die Frage: „Wie wird man eigentlich Arbeitsmediziner?“. Nach Abschluss des Medizin-Studiums kann mit der speziellen Arbeitsmedizin-Ausbildung begonnen werden.

Arbeitsmedizin Ausbildung

Arbeitsmediziner absolvieren eine 5-jährige Ausbildung nach dem Medizin-Studium

Grundsätzlich sind für alle ärztlichen Weiterbildungen die Landesärztekammern zuständig. Die von der Bundesärztekammer erarbeitete Muster-Weiterbildungsordnung hat für die Landesärztekammern nur einen empfehlenden Charakter. Deswegen wende dich, wenn du genaue Details zu deiner konkreten Situation in deinem Bundesland wissen möchtest, an deine zuständige Landesärztekammer. Im folgendem wird die Situation deswegen allgemein widergegeben, wobei es Abweichungen geben kann.

Ausbildung Arbeitsmedizin:

60 Monate (5 Jahre) an einer zugelassenen Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2, davon

  • 24 Monate in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung (= innere Medizin oder Allgemeinmedizin)
  • 36 Monate in der Arbeitsmedizin, davon können bis zu
    • 12 Monate in anderen Gebieten angerechnet werden
  • 360 Stunden Kurs-Weiterbildung in Arbeitsmedizin, die während der 60 Monate Weiterbildung erfolgen sollen.

Die Ausbildung zur Arbeitsmedizin ist also sehr umfangreich und dauert insgesamt 5 Jahre. Zusätzlich zu den praktischen Tätigkeiten legt man in den 60 Monaten auch einen 360-stündigen Weiterbildungskurs ab.

Bestandteil der Ausbildung zum Arbeitsmediziner sind unter anderem folgende Inhalte:

  • Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsstörungen und Berufskrankheiten
  • Arbeitsplatzbeurteilung / Gefährdungsbeurteilung
  • Unfallverhütung und Arbeitsplatzsicherheit
  • Betriebliche Wiedereingliederung
  • Bewertung von Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
  • Arbeitsmedizinische Bewertung psychischer Belastungen
  • Betriebliche Gesundheitsförderung
  • Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
  • Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
  • Bewertung von Arbeitsumgebungsfaktoren (z.B. Lärm, Staub, Gefahrenstoffe)

Ausbildung zum Betriebsmediziner:

Die Ausbildung zum Betriebsmediziner ist für Ärzte mit einer bereits abgeschlossenen Facharztausbildung in der unmittelbaren Patientenversorgung (z.B. Innere Medizin oder Allgemeinmedizin). So kann sich die Ausbildungszeit erheblich verkürzen. Der Betriebsmediziner darf Teilbereiche der Arbeitsmedizin ausführen und ist in Deutschland wichtig, um das vorhandene Volumen abdecken zu können.

36 Monate an zugelassenen Weiterbildungsstätte gemäß § 5 Abs. 1, davon

  • 12 Monate im Gebiet Innere Medizin und / oder in Allgemeinmedizin (wer schon vorher einen Facharzt für Innere Medizin gemacht hat, kann sich hier Teile anrechnen lassen)
  • 24 Monate in Betriebsmedizin / Arbeitsmedizin
  • 360 Stunden Kurs-Weiterbildung, die während der 24 Monate in der betriebsmedizinischen / arbeitsmedizinischen Weiterbildung erfolgen sollen.

Im Moment gibt es in Deutschland 12.545 Arbeitsmediziner. 45 Prozent davon sind Arbeitsmedizinerinnen. Ein besorgniserregender Aspekt ist folgende Zahl: 6.231 Arbeitsmediziner sind bereits über 65 Jahre (49,7%). Erfreulich ist deswegen, dass die Zahl der Ärzte und Ärztinnen mit arbeitsmedizinischem Schwerpunkt bis 44 Jahre um 7,3% auf 820 Ärzte und Ärztinnen gestiegen ist. Die Ärztekammern setzen deswegen verschiedene Maßnahmen, um diese Zahl noch weiter zu erhöhen (Weitere Zahlen zur Arbeitsmedizin gibt es bei der Bundesärztekammer).

ISO 45001 | Sicherheit und Gesundheitsschutz

Vollständigkeitshalber sei noch die ISO 45001 erwähnt. Mit dieser Zertifizierung kann man sich bescheinigen lassen, dass man einen vorbildlichen Arbeits- und Gesundheitsschutz hat. Neu in diesem Standard im Vergleich zu vorherigen Richtlinien ist das Arbeitsschutzmanagementsystem. Die Norm betrifft deswegen vor allem die oberste Managementebene.

Arbeitsmedizin | Zusammenfassung

Die Arbeitsmedizin steht für die Prävention von Arbeitsunfällen und für die Erhaltung der Gesundheit jedes Einzelnen. Die arbeitsmedizinische Untersuchung ist neben der Gefährdungsbeurteilung ein wichtiger Bestandteil der Tätigkeiten des Arbeitsmediziners.

Als Arbeitsmediziner kann man entweder direkt in einem Unternehmen oder in einem Gesundheitszentrum (Betreuung von mehreren Unternehmen) angestellt sein oder eine eigene Praxis betreiben. Die Arbeitsmedizin gilt als sehr familienfreundlich, was sie in der Medizin zu einem sehr reizvollen Arbeitsbereich macht.

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